Vergleiche · 6 Min. Lesezeit

MyHeritage vs Ancestry: Welcher Anbieter – und wann gar keiner?

Beide Anbieter werben aggressiv. Beide kosten richtig Geld. Hier die ehrliche Einschätzung – und wann du dir das Abo komplett sparen kannst.

Von Rudolf Fraedrich

MyHeritage oder Ancestry? Die Frage stellt sich fast jeder Ahnenforscher. Beide werben aggressiv, beide kosten 130–200 € im Jahr, beide versprechen den Stammbaum auf Knopfdruck. Die Wahrheit ist: Für viele lohnt sich keiner von beiden.

Was die Werbung verschweigt

Beide Anbieter sind primär DNA-Test-Firmen, die ihr Geld mit Tests und Premium-Abos verdienen. Die Werbeversprechen klingen nach Magie: „Wir finden deine Vorfahren für dich". Die Realität: Du musst genauso viel Arbeit investieren wie mit kostenlosen Quellen, nur eben mit hübscherer Oberfläche.

Die zwei Schlüssel-Probleme:

  • Du musst trotzdem Methode haben. Wer ohne System Namen eingibt, bekommt hunderte falsche Treffer.
  • Die DNA-Auswertungen sind Schätzungen. „Sie sind 32 % britisch" klingt wissenschaftlich, ist aber kaum belastbar.

Wo MyHeritage besser ist

Stärkere europäische Datenbasis. Mehr deutsche, polnische und österreichische Datensätze als Ancestry. Komplett deutsche Oberfläche. Wer deutsche Vorfahren hat, fährt mit MyHeritage tendenziell besser.

Wo Ancestry besser ist

Größte DNA-Datenbank weltweit. Beste Wahl für Familien, die nach 1850 nach Amerika ausgewandert sind. Wer Cousins in USA und Kanada sucht, ist hier richtig.

Wo beide schwach sind

Spezifische Ostgebiete sind bei beiden unterrepräsentiert. Wer Vorfahren aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern oder dem Memelland sucht, findet bei beiden Anbietern kaum direkte Treffer. Hier braucht es ohnehin spezielle Quellen wie polnische Staatsarchive und Heimatkreise – mit oder ohne Premium-Abo.

Ein Vorgeschmack: Die 60-Tage-Regel

Wenn du dich für einen der beiden Anbieter entscheidest, gilt: Maximal 60 Tage Vollzeit-Recherche, dann kündigen. Was du in 60 Tagen findest, findest du. Was du danach noch nicht hast, findest du auch in 6 Monaten nicht – jedenfalls nicht bei diesen Anbietern.

Die meisten Nutzer machen den umgekehrten Fehler: Sie lassen das Abo monatelang laufen, klicken alle paar Wochen halbherzig rein, und werfen damit Geld zum Fenster raus.

Wann beide sich NICHT lohnen

Wenn deine Vorfahren ausschließlich in den deutschen Ostgebieten lebten und nie auswanderten, sparst du dir die 200 € im Jahr. Die kostenlosen Spezialquellen (Geneteka, szukajwarchiwach, FamilySearch) decken diese Region besser ab.

Was du stattdessen brauchst: Eine strukturierte Methode, mit der du diese kostenlosen Quellen effizient nutzt. Ohne Methode bringt dich auch die beste Datenbank nicht weiter.

Was du als nächstes tun solltest

Bevor du irgendein Abo abschließt, beantworte zwei Fragen:

  1. Sind in meiner Familie Auswanderer Richtung USA/Kanada/Australien? → Ja: Ancestry. Nein: kein Vorteil.
  2. Habe ich eine Methode, mit der ich strukturiert recherchiere? → Nein: erst Methode, dann Tools.

Bevor du 200 € pro Jahr für ein Abo ausgibst: Hol dir die kostenlose Alternative-Strategie. Der Ahnenpfad Schnellstart zeigt dir in 5 Schritten, wie du mit kostenlosen Quellen 80 % deiner Recherche-Arbeit erledigst – ohne Abo. Das spart dir typischerweise die ersten 1-2 Jahre Premium-Kosten.

Für tieferes Vorgehen mit allen Sonderquellen: Ahnenpfad Praxisführer.

Verwandte Artikel: